Lost Place Sumatra: Das Geisterdorf nahe Berastagi

Lost Place Sumatra: Das Geisterdorf nahe Berastagi

Nach unserer morgendlichen Trekking-Tour und dem Besuch der heißen Quellen in Berastagi zeigt uns unser Guide einen sehr besonderen und wohl recht wenigen Touristen bekannten Ort: Ein Geisterdorf am Fuße des Vulkans Sinabung. Als dieser im Jahr 2013 erneut ausbrach, mussten alle Dörfer im Umkreis von 6km quasi über Nacht evakuiert werden. Die Menschen konnten nur das Notwendigste mitnehmen, alles andere ließen sie zurück. Bis heute ist das Gebiet Sperrzone, ein Besuch in einem der Dörfer wird aber geduldet. Von unserem Besuch im Geisterdorf, dieser doch sehr außergewöhnlichen Sehenswürdigkeit von Berastagi, möchte ich dir hier berichten.

Anreise zum Geisterdorf von Berastagi

Auf geschwungenen Wegen fahren wir vorbei an vielen kleinen Dörfern, durch grünen Dschungel und weite Felder. Bereits früh kommt das prächtige Vulkan in unser Blickfeld, der das Ziel unserer Reise markiert: Der Gunung Sinabung. Nach etwa 40 Minuten Fahrt von Berastagi aus erreichen wir ein Schild, das den Beginn des Sperrgebietes markiert. Ab nun befinden wir uns in der roten Zone, den Bereich 6km um den Vulkan.

Inzwischen sind wir hier das einzige Auto. Wir fahren über eine einsame Schotterpiste, bis das verlassene Dorf in Sicht kommt. Am ehemaligen Ortseingang und Beginn der Hauptstraße des Geisterdorfes parkt hält der Fahrer und lässt unseren Guide und uns aussteigen.

Spaziergang durch das verlassene Dorf

Uns empfängt eine fast schon bedrückende Stille. Selbst die Vögel scheinen hier etwas leiser zu zwitschern als sonst. Ein leichter Wind weht und lässt ein paar lose Wellbeche auf den Dächern quietschen. Ansonsten ist es ruhig. Wir sind die einzigen Menschen hier.

Unser Guide führt uns entlang der Hauptstraße durch das Dorf. Die Fenster einiger Häuser sind zerbrochen, viele Türen stehen auf und geben den Blick ins Innere frei. Über den Innenräumen liegt eine dicke Schicht aus Staub und Asche, ansonsten sehen manche Häuser so aus, als wären sie gerade erst verlassen worden. In anderen hingegen herrscht Chaos, es wird spürbar, wie eilig die Menschen das Wichtigste zusammensuchen und das Dorf verlassen mussten.

Wir dürfen auch in die Häuser hineingehen, müssen aber versprechen, vorsichtig zu sein. Nicht nur, dass einige Häuser vermutlich einsturzgefährdet sind, es können sich hinter den Türen und zwischen den Trümmern und herumliegenden Gegenständen auch Schlangen verstecken. Zum Glück bleibt uns eine solche Begegnung erspart.

Verlassenes Haus im Geisterdorf
Dieses Kleid scheint noch immer auf seine Besitzerin zu warten
Küche im Geisterdorf
Küche im Geisterdorf von Berastagi
Von Asche bedeckte Möbel
Von Asche bedeckte Möbel

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, die Häuser zu besuchen. Fast so, als würde man ungefragt in das Privatleben fremder Menschen eindringen. Und irgendwie ist es ja auch so. Auch wenn die Menschen längst in anderen Dörfern leben, so erzählt dieses hier doch einen Teil ihrer ganz persönlichen Geschichten.

Im Geisterdorf von Berastagi gibt es sogar ein Krankenhaus

Im Geisterdorf finden wir vielfältige Bauwerke. Neben kleinen Holzhütten stehen zweigeschossige Steinhäuser, eine Kirche, ein Versammlungshaus und sogar ein Krankenhaus. Letzteres erscheint uns besonders unheimlich. Bei einem Rundgang entdecken wir in einem der Behandlungsräume sogar noch einen Tropf.

Sehenswürdigkeiten Berastagi: Geisterdorf
Unser Weg führt uns vorbei an einem Versammlungsraum (links)...
Kirche im Geisterdorf von Berastagi
... einer Kirche ...
Haus im Geisterdorf
... und vielen verschiedenen Häusern.
Krankenhaus im Geisterdorf von Berastagi
Dieser Tropf findet sich immer noch im ehemaligen Krankenhaus

Am Ende des Geisterdorfes von Berastagi ist ein Lavafluss

Als wir das Dorf und ein kleines Waldstück dahinter durchquert haben, bietet sich uns ein fast surrealer Anblick. Hier ist die Lava des ausbrechenden Vulkans entlang geflossen, hat alles unter sich begraben und den Fluss, welcher sich einst hier vorbei schlängelte, gestaut. Von den hohen Temperaturen zeugen auch heute noch abgestorbene Bäume, die mit ihrer weißen Farbe fast selbst wie Geister wirken. Weiter hinten befand sich einst das Nachbardorf, welches vollkommen verschüttet wurde. Das Betreten des Lavafeldes ist strengstens verboten, was sehr nachvollziehbar ist. Uns reicht es vollkommen, diesen bedrückenden und zugleich faszinierenden Ausblick auf uns wirken zu lassen.

Lavafluss des Gunung Sinabung
Durch die herabfließende Lava wurde der Fluss gestaut und das Dorf (im Hintergrund) komplett überspült

Auf dem Rückweg können wir uns nur schwer von diesem faszinierenden Ort lösen, sind aber gleichzeitig erleichtert, zurück in die Zivilisation zu kommen. Das Geisterdorf hat uns wirklich beeindruckt. Die besondere Atmosphäre wurde noch einmal dadurch verstärkt, dass wir hier ganz alleine waren und alles in Ruhe auf uns wirken lassen konnten. Trotz seiner traurigen Geschichte ist das Geisterdorf ein wirklich interessanter Ort, den ich dir sehr empfehlen kann, wenn du in Berastagi bist.

Blick durch das Geisterdorf bis zum Gunung Sinabung
Blick durch das Geisterdorf bis zum Gunung Sinabung

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