Blogparade: Ist ein Blog noch zeitgemäß?

Blogparade: Ist ein Blog noch zeitgemäß?

In Zeiten, in denen alles unverbindlich, kurzweilig, schnell sein muss und soziale Medien allgegenwärtig sind, stellt sich mal wieder die unter Bloggern wohl altbekannte Frage: Ist bloggen heute noch zeitgemäß?

Diese viel diskutierte Frage, mit der sich die Blogparade von start:talking befasst, habe auch ich mir gestellt, bevor ich im Oktober 2020 meinen ersten Blog veröffentlicht habe. Bin ich nicht viel zu spät? Sind Beiträge in sozialen Medien nicht eigentlich das Bloggen von heute?

Dennoch habe ich mich bewusst für das Medium Blog entschieden und es nicht bereut. Die Gründe verrate ich dir gern.

Warum ein eigener Blog?

Tatsächlich habe ich diese Frage für mich bereits lange, bevor ich diesen Blog veröffentlicht habe, beantwortet. Als ich 2018 für unsere Reise nach Sumatra recherchierte, stellte ich fest, dass hierzu weder in Reiseführern noch in Zeitschriften viel zu finden war. Auch soziale Medien halfen mir, am Rande bemerkt, nicht weiter.

Allerdings stieß ich über Google-Recherchen auf zahlreiche Blogs, die sich mit verschiedenen Reisezielen befassten und diese super aufbereiteten. Dort gab es zwar nicht „den einen“ Sumatra-Blog, dennoch halfen mir die Artikel unterschiedlicher Blogs sehr bei meiner Reisevorbereitung und ich lernte gute Blogs zu schätzen.

Um zukünftig selbst andere Reisende bei ihrer Reisevorbereitung unterstützen zu können und natürlich auch, um von meinen Erlebnissen zu berichten, beschloss ich daher, nach der Reise selbst einen Blog zu eröffnen. Damit sind schon mehrere Punkte angesprochen, durch die für mich ein Blog wertvoll und keineswegs überholt ist:

Langfristige Ausrichtung

Blogartikel sind normalerweise nicht nur zur kurzfristigen Unterhaltung gedacht. Sie setzen sich mit einem bestimmten Thema auseinander, informieren, erzählen Geschichten. Und das nicht nur, solange sie auf der ersten Blogseite stehen. Ist der Blog gut strukturiert und/oder der Artikel suchmaschinenoptimiert, kann er langfristig von Interessierten gefunden und gelesen werden. Damit sind Blogartikel oft keine Zufallstreffer, sondern nutzen den Lesern, indem sie genau die Information zur Verfügung stellen, die gerade gesucht wird.

Raum für Kreativität

Im Gegensatz zu sozialen Medien bietet ein eigener Blog einen riesigen Gestaltungsspielraum. Ich kann selbst entscheiden, wie mein Blog aufgebaut und gestaltet ist. Weder die Anzahl der eingefügten Medien, noch der Worte oder Verlinkungen ist begrenzt. Hier bin ich mein eigener Chef und kann mich kreativ austoben.

Eigene Gedanken und Erinnerungen sortieren

Zudem ist mein Blog für mich auch etwas sehr persönliches. Er hilft mir dabei, meine Gedanken und Erinnerungen zu sortieren. Während ich schreibe habe ich manchmal das Gefühl, meine Reisen noch einmal zu erleben. Ich fühle Dankbarkeit für das Erlebte und auch dafür, es auf diese Weise teilen zu können.

Da ich mich dabei in meinem eigenen Blog bewege, fühle ich mich mehr „zu Hause“ als auf einer Seite, die mir von einer sozialen Plattform zur Verfügung gestellt wird. So kann ich persönlich auch mehr von mir zeigen.

Social Media vs. Blog

Die Nutzung sozialer Medien und das Bloggen schließen sich für mich nicht aus, im Gegenteil: Beides kann einander gut ergänzen. Meiner Meinung erfüllt beides unterschiedliche Zwecke. Ein Blog ist sehr individuell und befasst sich meistens mit einem bestimmten Thema, in das die jeweiligen Blogger tief einsteigen.

Social Media bietet hingegen eine Plattform, um sich gezielt mit anderen zu vernetzen und eben z.B. auch den eigenen Blog bekannt zu machen. Ich nutze Plattformen wie Instagram oder Facebook, um Gleichgesinnte zu finden und meine Zielgruppe anzusprechen. Für mich ist das eine gute Ergänzung zu meinem Blog. Ein Ersatz wäre es auf keinen Fall, da soziale Netzwerke mir eben nicht die oben beschriebenen Vorteile bieten.

Der Dialog steht heute im Mittelpunkt

Ging es früher häufig um „Frontalbeschallung“, ob in der Schule oder in der Freizeit, steht heutzutage der Dialog im Mittelpunkt. Menschen sind vernetzt, ständig erreichbar, jeder bekommt in sozialen Medien die Möglichkeit, seine Meinung zu sagen und zu diskutieren. Ein häufiger Kritikpunkt an Blogs ist, dass genau das vernachlässigt werde.

Auf vielen Blogs, die ich auch heute noch gerne lese, findet ein reger Austausch statt. Es ist keinesfalls ein einseitiges Medium. Über Kommentare, Blogparaden, Round-Ups, Gastartikel etc. sind sowohl Blogger untereinander, als auch Blogger und Leser stetig in Kontakt. Auch ein Blog kann daher eine Plattform für einen Austausch darstellen.

Dabei ist der Teilnehmerkreis häufig kleiner. Es gibt viele regelmäßige Leser und dadurch ein gefühlt privateres Netzwerk. Meiner eigenen Erfahrung nach ist der Umgangston miteinander auf Blogs meistens höflich und oft sehr freundlich. In den sozialen Netzwerk habe ich auch schon häufig anderes erlebt.

Es gibt viel zu lernen

Sowohl Social Media als auch das Bloggen sind gewissermaßen eine Wissenschaft für sich. Gerade durch meinen Blog habe ich aber mein Wissen erheblich erweitert und mich dadurch selbst weiterentwickelt. Bevor ich mit dem Bloggen begonnen habe, hatte ich keine Ahnung von WordPress, SEO, Online-Businesses etc. Und auch wenn ich natürlich noch längst keine Expertin bin, habe ich in den letzten Monaten super viel gelernt. Auch das macht mir Spaß. Und lebenslanges Lernen ist ja schließlich auch ein sehr aktuelles Thema.

Welche Zukunft sehe ich für das Bloggen? Nehmen junge Menschen Blogs überhaupt noch wahr oder nutzen sie?

Diese Fragen habe ich bewusst aus der Blogparade übernommen. Auch wenn ich schon erläutert habe, weshalb ich Bloggen keineswegs für veraltet halte, möchte ich darauf nochmal gesondert eingehen. Insbesondere auf die Frage, ob junge Menschen Blogs noch wahrnehmen oder nutzen.

Sind Blogs noch etwas für junge Menschen?

„Junge Menschen“ ist natürlich ein sehr breit gefächerter Begriff. Gemeint ist meistens die sog. Generation Z, aber auch der Generationenbegriff ist sehr verallgemeinernd. Dieser Generation wird häufig nachgesagt, sehr ungeduldig zu sein und sich nicht gerne lange mit einer Sache zu beschäftigen. Nach dieser Einschätzung wäre ein Blog mit ausführlichen Artikeln wohl eher nicht für die Gen. Z geeignet.

Ich halte es aber für wesentlich zu kurz gegriffen, alle jungen Menschen unter diesen Eigenschaften zusammenzufassen. Auch in der Generation Z gibt es Blogger und Menschen, die sich gerne ausführlich mit einem Thema beschäftigen. Und genau diese Menschen nehmen dann natürlich auch die entsprechenden Blogs wahr.

Außerdem ist die Zielgruppe der meisten Blogs nicht auf eine Altersgruppe beschränkt. Mein Blog z.B. soll generell Menschen ansprechen, die sich für individuelles Reisen und insbesondere authentische Erfahrungen, fremde Kulturen und Natur interessieren. Menschen, die gerne tief in eine andere Kultur eintauchen und den Moment genießen. Und auch diejenigen, die einfach gerne über Reiseerlebnisse lesen oder Hilfe bei der Reiseplanung benötigen.

Ich denke, diese Leute gibt es auch in der ganz jungen Generation noch. Wer nur von Insta-Spot zu Insta-Spot hetzen möchte, ist bei mir falsch, egal ob jung oder alt. Von daher ist es auch völlig in Ordnung, wenn diese Personen den Blog nicht nutzen. Sie finden ihre Inspiration ja auf sozialen Plattformen.

Die Zukunft der Blogs

Noch spannender als die Frage „Sind Blogs heute noch zeitgemäß“ finde ich daher die Überlegung, wie sich Blogs weiterentwickeln werden, um eben auch in Zukunft zeitgemäß zu bleiben. 

In den letzten Jahren haben sich Blogs unglaublich weiterentwickelt. Handelte es sich anfangs häufig mehr um ein digitales Tagebuch, so sind es heute oft professionelle Seiten und teilweise sogar eigene Unternehmen. Das spiegelt sich auch in der Optik vieler Blogs wieder.

Gerade hauptberufliche Blogger bilden sich ständig fort, entwickeln ihre Seite weiter und sind Experten in so vielen verschiedenen Bereichen. Allein aus diesem Grund schon gehe ich davon aus, dass sich Blogs auch in Zukunft immer weiterentwickeln und so zeitgemäß bleiben werden.

Fazit

Ich sehe in Blogs einen klaren Mehrwert, sowohl für Blogger als auch für Leser. Blogs bieten die Möglichkeit, sich auszudrücken, persönliche Geschichten zu erzählen, aber auch sachliche Informationen anschaulich aufzubereiten. Sie können (worauf ich hier nun nicht eingegangen bin, weil es meinen Blog nicht betrifft) Einblicke in Unternehmen bieten, eine Gute-Nacht-Lektüre sein, Probleme lösen. Blogs sind so vielfältig wie die Menschen, die sie Schreiben. 

Vielleicht sind manche Blog-Themen heute nicht mehr so interessant, denn auch die Themenschwerpunkte haben sich sicherlich weiterentwickelt. Aber das Medium Blog hat für mich eine ganz klare Daseinsberechtigung.

Ich persönliche schaue mir immer noch lieber Blogs an als Facebook- oder Instagramprofile. Und warum sollte es nur mir so gehen? Da ich zu den „Digital Natives“ gehöre, denke ich, dass ich da für einige sprechen kann (und hoffe das natürlich auch ;)).

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Peter

    Hi Ann-Cathrin,
    Du bist ja quasi das „Nesthäkchen“ bei Meikes Blogparade – trotzdem hast Du aber vieles genau richtig eingeschätzt. Blogs sind sehr wandelbar und die früheren Standard-Themes sind hochprofessionellen und auf den jeweiligen Blog-Inhalt angepassten Frameworks gewichen.
    Was die sozialen Netzwerke angeht, da bin ich bei Dir. Das Benehmen in Diskussionen auf Blogs ist wesentlich höflicher und sachlicher als in sozialen Netzwerken. Das liegt sicher in der Plattform und dem Inhaber selbst begründet. Ein Hater oder Troll findet immer wieder andere Beiträge auf den entsprechenden Plattformen bei denen er seine Minderwertigkeitskomplexe ausleben kann. Auf dem Blog ist – wenn man es will – schon beim ersten Mal für immer Schluß. User-Account geblockt und Tschüss!
    Dies ist auch einer der Gründe, weshalb ich kein Freund davon bin, Diskussionen in soziale Netzwerke auszulagern. Dies ist weder für den Blogbeitrag und den Traffic sinnvoll, noch für Leser, die später anhand der Kommentare eventuell noch zusätzliche Infos erhalten.
    Ich wünsch Dir noch viel Spass beim bloggen.. 😉
    CU
    Peter

    1. Ann-Cathrin

      Hi Peter,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Stimmt, mein Blog ist noch ganz frisch :D. Da ich mich mit dem Medium Blog aber vorher schon beschäftigt hatte, kam die Blogparade für mich genau passend.
      Über soziale Netzwerke erreicht man natürlich mehr Leute, das kann manchmal schon hilfreich sein. Aber eben wirklich eher als Ergänzung, sachliche Diskussionen kann man dann gut zurück in den Blog holen und umfangreiche Beiträge verfasse ich auch lieber hier, wo sie länger gefunden und gelesen werden können.
      Danke, wünsche ich dir auch 🙂
      Liebe Grüße,
      Ann-Cathrin

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