Bloß nicht! Eine Nacht in Padang Sidempuan

Bloß nicht! Eine Nacht in Padang Sidempuan

Nach unserem erholsamen Aufenthalt am Toba See sollte es weiter nach Bukittinggi gehen. Da diese Stadt aber etwa 12 Stunden Fahrt entfernt ist und wir keine Lust hatten, im Bus zu übernachten, kamen wir auf die brillante Idee, einen Zwischenstopp in Padang Sidempuan einzulegen. Ankommen, Abendessen, schlafen und am nächsten Morgen gut erholt weiter Richtung Süden. Dachten wir…

Und was soll ich sagen? Der beste Tipp, den ich dir jetzt geben kann, ist: Lass es! Definitiv! Du denkst, Medan ist hässlich? Dann warst du noch nicht in Padang Sidempuan. Immerhin einen positiven Aspekt (abgesehen davon, dass ich jetzt was zu berichten habe) kann ich allerdings finden: Padang Sidempuan ist definitiv nicht touristisch und abseits jeglicher ausgetretener Pfade. Weit abseits… Aber jetzt erstmal alles von Anfang an.

Anreise nach Padang Sidempuan

Von Parapat aus wollten wir mit einem Local Bus nach Padang Sidempuan weiterfahren. Als wir in unserer Unterkunft nachfragen, wie wir am besten weiter vorgehen, kann man uns leider nicht sehr viel weiterhelfen. Immerhin vermittelt uns einer der Angestellten einen Kontakt zu einem Touristenbüro in Parapat, von wo wir nach einiger Wartezeit zum Busbahnhof gebracht werden. Dort kaufen wir uns in einem keinen Büro ein Ticket für den Nachtbus nach Bukittinggi, der aber auch in Padang Sidempuan Halt macht. Wir werden zwar etwas skeptisch angeschaut, denken uns aber erstmal nichts dabei.

Als der Bus mit etwas Verspätung ankommt, steigen wir ein und setzen uns auf unsere gebuchten Plätze. Kurz darauf geht die Reise los, die ich in einigen WhatsApp-Nachrichten live festhalte:

Eine Busfahrt, die ist lustig…

Viele Grüße von einer Haltestelle mitten im Nirgendwo. Ich hab zwar grad kein Internet, dachte mir aber, ich nutze die freie Zeit mal, um ein bisschen was zu schreiben. Es verliert bis zum nächsten Internet ja nicht an Wahrheitsgehalt.

Wir haben es heute tatsächlich geschafft, mit der Fähre zurück ans Festland zu fahren und einen lokalen Reisebus zu bekommen. Eine Busfahrt ist hier recht interessant. Der Bus sieht seine Größe nicht als Hindernis, schneller zu fahren als alle anderen und auch auf sehr schmalen und kurvigen Straßen zu überholen. Dabei schwankt er immer gefährlich nach rechts und links, ist aber bisher noch nicht umgekippt.

Die Geruchskulisse ist ebenfalls ein Erlebnis. Die Klimaanlage funktioniert hin und wieder, geraucht wird in dem Nichtraucherbus natürlich auch, unser Sitznachbar isst durchgehend, an meiner Fußstütze befindet sich ein brauner Fleck, der einen verdächtigen Geruch ausströmt, was aber alles gar nicht schlimm ist, weil es so einen „geruchsneutralisierenden“ Duftsprüher gibt, der alle paar Minuten einen süßlich riechenden Sprühstoß von sich gibt.

Jetzt machen wir gerade Pause. Der Bus scheint generalüberholt und komplett umgepackt zu werden und wir hoffen langsam, dass wir heute überhaupt noch ankommen. Aber wenn euch diese Nachrichten erreichen, sind wir mindestens an unserer Zwischenstation angekommen, denn hier gibt es bestimmt kein WLAN.

Ein neuer Fahrer

So, die Pause ist beendet und es ist inzwischen dunkel. Die Busfahrer haben gewechselt und der neue ist das krasse Gegenteil. Die 30km/h hat er glaube ich noch nicht geknackt. Vllt sollten wir die letzten 50km zu Fuß zurücklegen. Könnte schneller sein. Der Sitznachbar, den wir „Snackbar“ getauft haben, isst wieder und schmatzt und schlürft dabei genüsslich vor sich hin. Zwischendurch wird auch lautstark geskypt, aber ansonsten ist es hier relativ ruhig.

Das Hotel, das wir für heute Nacht gewählt haben, antwortet leider nicht mehr. Ich hoffe, wir haben einen Schlafplatz. Nächstes Mal wird’s vllt doch besser ein Nachtbus.

Wir haben festgestellt, dass der neue Busfahrer nicht schalten kann. Er beschleunigt, kuppelt aus, braucht eeewig um zu schalten, sodass der Bus inzwischen so stark an Geschwindigkeit verliert, dass der nächste Gang eigentlich zu hoch ist, dann versucht er zu beschleunigen, klappt nicht, schaltet wieder zurück und das Ganze beginnt von vorne.

Fortbewegung in Padang Sidempuan

Nach dieser recht abenteuerlichen Busfahrt erreichen wir stark verspätet schließlich doch unser Ziel. Es ist inzwischen dunkel und wir sind die Einzigen, die hier aussteigen. Etwas verloren stehen wir auf dem Busbahnhof und schauen uns um. Bis auf ein paar Becak-Fahrer ist niemand hier. Bis zu unserem Hotel ist es nur etwa 1km, aber da uns irgendwie unheimlich zumute ist, würden wir lieber Taxi oder zumindest Becak, was eine Art Fahrrad-Rikscha ist, fahren.

Ich frage nach dem Preis und weil hier niemand Englisch zu sprechen scheint, packe ich meine paar Indonesisch-Kenntnisse aus, die ich mir vor der Reise angeeignet habe. Die Antwort verstehe ich nicht ganz, frage nach, ernte aber nur Lachen und Kopfschütteln. Da wir ohnehin nicht gemeinsam in ein Becak passen würden, beschließen wir also doch, zu Fuß zu gehen.

Mit unseren großen Reiserucksäcken gehen wir die Straße hinauf in Richtung Hotel. Überall an der Straße sitzen Menschen, die uns fasziniert anstarren. Immerhin wird unser Lächeln erwidert. Wahrscheinlich sind die Menschen einfach nur neugierig, weil sich selten Touristen hierher verirren, aber uns gefällt die Situation trotzdem ganz und gar nicht. Eine Zeit lang fährt ein alter Mann auf einem Motorroller neben uns her und starrt uns unverwandt an. Und immer mehr Menschen werden auf uns aufmerksam. Als schließlich zwei Jugendliche auf einem Motorroller versuchen, meinem Freund das Handy aus der Hand zu klauen, ist es ganz vorbei. Wir klammern uns an unser Hab und Gut und rennen beinahe das letzte Stück bis zum Hotel.

Hier fühlen wir uns kurz sicher, bevor die nächste Überraschung auf uns wartet.

Verzweifelte Suche nach einer Unterkunft in Padang Sidempuan

Ich gebe zu, es hätte uns stutzig machen können, dass online überhaupt nur eine einzige Unterkunft in Padang Sidempuan zu finden war. Immerhin liegt das Mega Permata Hotel zentral an der Hauptstraße, also eigentlich genau richtig für einen Zwischenstopp.

Da eine Online-Buchung nicht möglich war, haben wir ein paar Tage vorher per E-Mail nachgefragt, ob in nächster Zeit noch Zimmer frei seien. Weil wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht genau wusste, wann wir weiterreisen würden, handelte es sich erstmal um eine allgemeine Anfrage. Wir bekamen die Antwort, es seien Zimmer frei, wir sollten einfach am Tag vor unserer Ankunft Bescheid geben. Gesagt, getan. Allerdings bekamen wir diesmal keine Rückmeldung vom Hotel, was uns etwas verunsicherte. Dennoch dachten wir uns, was soll schon schief gehen. Das Hotel ist ja da, die Wahrscheinlichkeit, dass es ausgebucht ist, sollte auch gering sein und bislang konnte uns immer jemand weiterhelfen.

So stehen wir nun in der Empfangshalle und werden von der Empfangsdame skeptisch beäugt. Ob sie Englisch spreche, fragen wir vorsichtig. Ja, ein wenig. Also nennen wir unsere Namen, verweisen auf unsere E-Mail und bitten um ein Zimmer. Es folgte die nächste böse Überraschung: Es sei kein Zimmer frei. Wir fragen, ob es noch ein anderes Hotel gebe. Ja, aber das sei ein ganzes Stück die Straße runter. Ob sie uns ein Taxi rufen könne? Nein, hier gebe es keine Taxen, nur Becak. Wir schauen uns verzweifelt um, gehen in Richtung Ausgang, wollen aber nicht wieder raus auf die Straße.

Endlich ein Zimmer, aber wie geht es weiter?

So stehen wir einen Moment lang unschlüssig in der Tür, als plötzlich der Manager des Hotels auf uns zugelaufen kommt und uns mitteilt, es gebe doch noch ein Zimmer. Wo auch immer das nun herkommt, wir sind einfach nur froh. Er schickt uns zurück zum Empfang, wo die Dame uns erklärt, dass leider nur die günstigste Zimmerkategorie frei sei. Für uns ist das super, genau das wollten wir ohnehin.

Nun stellt sich nur noch die Frage, wie wir am nächsten Tag weiterfahren können. Bislang war es nie ein Problem, einen Fahrer oder einen Touristenbus zu organisieren. Hier sieht das leider anders aus. Mit vereinten Englischkenntnissen erklären uns Manager und Empfangsdame, dass es hier keine Fahrer oder Touristenbusse gebe. Nur der Localbus fahre am nächsten Abend wieder nach Bukittinggi. Also genau der, aus dem wir gerade kommen. Mehr können sie leider nicht für uns tun. Also gehen wir erstmal auf unser Zimmer 

Das Zimmer ist klein und zweckmäßig eingerichtet, die Sauberkeit in Ordnung. Da wir das Hotel vor morgen nicht mehr verlassen wollen, bestellen wir zum ersten Mal in unserem Leben Essen aufs Zimmer. Das Essen ist lecker und hier sicher auch authentisch.

Hotelzimmer in Padang Sidempuan
Hotelzimmer in Padang Sidempuan

Ein rettender Einfall

Anschließend zerbrechen wir uns den Kopf darüber, wie wir am nächsten Tag weiterkommen, ohne noch einen Tag in dieser Stadt zu verbringen. Wir suchen online nach Reiseanbietern, Taxiunternehmen und privaten Fahrern in der Gegend, aber bis auf zwei nicht erreichbare Fahrdienste finden wir nichts.

Schließlich kommt meinem Freund der rettende Einfall. Unsere Übernachtung in Bukittinggi hatten wir bereits gebucht und erinnern uns, dass die Gastgeberin Ling, mit der wir per E-Mail Kontakt hatten, sehr nett war und gutes Englisch sprach. Also schreiben wir ihr eine E-Mail, in der wir unsere Situation schildern und Ling fragen, ob sie eine Idee hat. Wie sie uns später erzählt, liegt sie zu dieser Zeit bereits im Bett. Als sie unsere E-Mail sieht, will sie uns aber auf jeden Fall helfen und bietet uns an, einen Fahrer für den nächsten Morgen zu organisieren.

Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und stimmen sofort zu. Den Preis von 1.400.000 IDR/etwa 80€ nehmen wir für die 7 Stunden Fahrt und die spontane Zusage des Fahrers gerne an. Im Vergleich zu den bisher für deutlich kürzere Strecken gezahlten Preise ist er mehr als angemessen.

Weiterreise von Padang Sidempuan nach Bukittinggi (endlich!)

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen und kurzer Wartezeit vor dem Hotel holt uns tatsächlich ein Fahrer ab. Er spricht nur wenig Englisch, ist aber sehr freundlich und weiß genau, wo wir hinmüssen. Mit ihm geht es, mit einem Zwischenstopp am Äquator, endlich nach Bukittinggi.

Padang Sidempuan: Weiterreise
Mit diesem Auto fahren wir weiter nach Bukittinggi
Zwischenstopp am Äquator
Bei einem Zwischenstopp überqueren wir zu Fuß den Äquator

Das waren unsere Erlebnisse in Padang Sidempuan. Zugegeben, viel mehr als eine eher ungepflegte Hauptstraße und das Hotel haben wir nicht gesehen, aber unter diesen Umständen hat uns das gereicht. Wenn du schon mal in Padang Sidempuan warst und andere, hoffentlich bessere Erfahrungen gemacht hast, schreibe gerne in die Kommentare.

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