Trekking Chiang Rai: 2 Tage zu den Bergvölkern Nordthailands

Trekking Chiang Rai: 2 Tage zu den Bergvölkern Nordthailands

Schon als ich das erste Mal über Thailand recherchiert habe, lange, bevor wir die Reise tatsächlich planten, habe ich von den Hill Tribes ganz im Norden des Landes gelesen. In einigen Reisebeschreibungen war zu lesen, man könne diese bei mehrtägigen Trekking-Touren ab Chiang Rai besuchen und ihre Lebensweise kennenlernen.

Da ich ein großer Fan fremder Kulturen und authentischer Erlebnisse bin, stand für mich gleich fest: so ein Trekking möchte ich machen. Meine Begeisterung wurde allerdings deutlich getrübt, als ich bei der tatsächlichen Planung der Reise etwas tiefer in das Thema einstieg.

Die meisten Touren fanden in größeren Gruppen statt, Ziel war meistens ein Dorf der sog. „Langhalsfrauen“. Die Frauen des Bergvolks der Karen, auch „Long Neck Karen„, legen sich von Kind an Spiralen aus schweren Messingringen um den Hals. Mit der Zeit kommen immer mehr Ringe dazu, sodass der Hals optisch gestreckt wird. Bilder dieser Frauen hast du bestimmt schon im Internet gesehen.

Grundsätzlich ist es natürlich total interessant, eine solche fremde Kultur hautnah erleben zu dürfen. Früher waren die Long Neck Karen ein Volk, dass seine Kultur mit Stolz lebte. Heute sieht das Ganze aber leider etwas anders aus.

Die Long Neck Karen sind als Flüchtlinge aus dem benachbarten Myanmar nach Thailand gekommen. Hier werden sie zwar geduldet, zugleich aber als Touristenattraktion genutzt. Da sie keinen gesicherten Aufenthaltsstatus haben, sind sie von der Regierung abhängig, die in ihnen eine willkommene Einnahmequelle sieht.

In vielen Artikeln habe ich von künstlichen Karen-Dörfern gelesen, in denen die Frauen wie in einem Zoo ausgestellt wurden. Anstatt eine fremde Kultur kennen und verstehen lernen, konnte man hier lediglich fremde Schönheitsideale eines Volkes betrachten, das in ein Leben gezwungen wird, welches keineswegs mehr seiner eigentlichen Kultur entspricht. Eine Art „Menschenzoo„, den man für einen kleinen Eintrittspreis besuchen und Fotos schießen kann. So etwas wollten wir auf keinen Fall unterstützen.

Also recherchierte ich weiter, bis ich auf „Lanna Trek“ stieß, ein kleines lokales Unternehmen in Chiang Rai, das sehr authentische Trekking-Touren anbot. Die Bewertungen, die wir online fanden, ließen darauf schließen, dass wir hier tatsächlich das echte Leben der Bergvölker und die echte Natur des Berglandes erleben konnten. Also beschlossen wir, eine zweitägige Tour zu buchen.

Was soll ich sagen? Ohne nun bereits zu viel vorwegzunehmen: Authentisch war nicht zu viel versprochen. Auch wenn wir schon viel erlebt und beispielsweise in Sumatra bereits eine wirklich andere Lebensweise kennengelernt haben, hatte ich hier wohl meinen ersten wirklichen Kulturschock.

Davon, aber auch von der wunderbaren Natur, vielen Begegnungen und tollen Erfahrungen werde ich dir hier berichten.

Trekking Chiang Rai: Beginn mit Hindernissen

Morgens um 10 Uhr soll unser Trekking in Chiang Rai losgehen. Wir setzen uns also in den schönen Garten vor unserer Unterkunft und warten. Kurz darauf bekommen wir die Nachricht, die Ankunft unseres Guides werde sich etwas verzögern. Kein Problem, dann machen wir es uns eben noch im Garten gemütlich.

Etwas zu gemütlich offenbar. Als das Auto ankommt, wir einsteigen und losfahren fällt mir plötzlich auf: Ich habe mein Handy auf der Bank im Garten liegen lassen. So ein Mist, dabei sind wir doch ohnehin schon spät dran. Aber es ist nun nicht zu ändern und so kehren wir nochmal um. Zum Glück liegt das Smartphone noch da, wo ich es zurückgelassen hatte. Dann kann es nun aber wirklich losgehen.

Unser Guide und der offenbar einzige andere Tourist, Thay aus Singapur, stellen sich kurz vor. Wir bekommen erklärt, dass wir später noch einen anderen Teil der Reisegruppe treffen werden, drei Franzosen, die mit einem weiteren Guide unterwegs sind. Es bleibt also ein überschaubares Grüppchen.

Eine Bootsfahrt, die ist lustig

Nach kurzer Fahrzeit erreichen wir einen Bootssteg, an dem schon andere Reisende warten. Wir steigen in ein traditionelles Long Tail Boat und schippern den Mae Kok River hinauf in Richtung des umliegenden Berglandes. Bereits nach wenigen Minuten nimmt die Bebauung an den Ufern ab.

Bootsfahrt auf dem Mae Kok River
Bootsfahrt auf dem Mae Kok River

Die anderen Boote, die mit uns gestartet sind, halten nach und nach an Bootsstegen, während wir immer weiter fahren, bis schließlich nur noch Natur, runde Hügel und kleine Dörfchen zu sehen sind. An einem dieser Dörfer legen wir nach etwa 50 Minuten Fahrzeit an.

Trekking Chiang Rai: Long Tail Boat
Long Tail Boat auf dem Mae Kok River

Das Dorf wird zwar von Angehörigen des Volkes der Karen bewohnt, allerdings handelt es sich nicht um „Long Neck Karen“. Es ist ein ganz normales und noch recht ursprünglich wirkendes Dörfchen. Lediglich das hier leider angebotene Elefanten-Reiten (das von Lanna Trek nicht befürwortet und daher nicht eingeplant wird!) lässt darauf schließen, dass hier hin und wieder auch andere Touristen vorbeikommen.

Auf geht´s: Trekking ins Bergland von Chiang Rai

Nach einem leckeren Mittagessen, bei dem wir die einzigen Europäer sind, geht unsere Trekking-Tour los. Unser Guide erklärt uns, dass die meisten Touren sehr viel näher an Chiang Rai starten und gar nicht erst so tief ins Bergland gehen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wir kaum anderen Menschen und keinen weiteren Touristen begegnen.

Zuerst wandern wir eine Weile über weite Felder. In der Ferne sehen wir runde Hügel, die ich so noch nirgendwo sonst gesehen habe.

Trekking Chiang Rai: Felder
Weite Felder und runde Hügel im Bergland von Chiang Rai

Anschließend beginnt der Aufstieg auf den ersten Hügel. Es wird nicht der einzige bleiben… Je höher wir steigen, desto schöner wird die Aussicht auf das hügelige Umland. Gleichzeitig verstehe ich langsam, weshalb in einigen Online-Bewertungen gesagt wurde, die Tour sei durchaus anspruchsvoll.

Zwar ist die reine Strecke, die wir gehen werden, wahrscheinlich nicht allzu weit. Schließlich laufen wir nur ungefähr 4 Stunden. Aber die Luft ist heiß und feucht, ein Effekt, der durch das stetige bergauf gehen noch verstärkt wird. Ich bin daher froh, ein atmungsaktives Shirt* und eine dünne, „abzipbare“ Wanderhose an zu haben.

Unterwegs erklärt unser Guide uns viele Pflanzen. Unter anderem sehen wir Bananenstauden und einen Gummibaum, deren Milchsaft in einer Schüssel gesammelt wird.

Trekking Chiang Rai: Gummibaum
Milchsaft eines Gummibaums
Trekking Chiang Rai: Bananenstauden
Bananenstauden

Dann erwartet uns eine Überraschung: Vor einer kleinen Hütte tollen fünf Hundewelpen umher und begrüßen uns freudig. Ich weiß, man soll keine fremden Hunde streicheln, aber… DIE SIND SO NIEDLICH! Und ich hab danach auch meine Hände desinfiziert, ehrlich.

Trekking Chiang Rai: Hundewelpen
Hundewelpen auf unserer Trekking-Tour

Oben angekommen werden wir mit einer wunderschönen Aussicht belohnt. In alle Richtungen erstrecken sich grüne Hügel, teils fast schon richtige Berge, und Felder. So weit das Auge reicht Natur und kaum Zivilisation. Da hat sich der Aufstieg auf jeden Fall gelohnt.

Trekking Chiang Rai: Bergland
Trekking Chiang Rai: Berglandschaft

Bei strahlendem Sonnenschein geht es weiter durch die Landschaft. Bald sollen wir einen Bambuswald erreichen, der uns endlich etwas Schatten spenden wird. Aber erst einmal genießen wir trotz der Hitze das tolle Wetter und die wunderschöne Landschaft.

Trekking Chiang Rai: Landschaft
Viel Sonne und eine tolle Landschaft

Abkühlung im Bambuswald und am Wasserfall

Als wir den Bambuswald betreten, machen wir erst mal eine Pause. Wir hatten bisher ein ganz schön zügiges Tempo, daher sind wir froh, erstmal ausruhen zu können. Unser Guide schnitzt aus Bambus für jeden einen Wanderstock. Gerade für die teils steilen und recht bewachsenen Pfade wird er sich als sehr nützlich erweisen.

Dann geht es weiter. Begleitet von dem ständigen Knarzen des Bambus´ bezwingen wir den nächsten Hügel. Auch wenn es hier schön schattig ist: Das Klima bleibt für uns anstrengend. Trotzdem macht es wirklich Spaß. So einen Bambuswald sieht man schließlich auch nicht jeden Tag.

Trekking Chiang Rai: Bambuswald
Bambuswald

Unser Weg führt uns noch über weitere Hügel, bis wir schließlich an einem kleinen Wasserfall ankommen. Der Wasserfall befindet sich mitten im Wald, ein paar Jugendliche aus einem nahegelegenen Dorf planschen dort herum und spielen fangen. Wir setzen uns auf die Felsen, halten die Füße ins Wasser und genießen die Idylle.

Ein kleiner Wasserfall sorgt für eine gelungene Abkühlung

Danach geht es zum Endspurt für heute. Unser nächster Halt wird das Bergdorf sein, in dem wir heute übernachten werden.

Als wir den letzten Hügel erklimmen, sehen wir Chiang Rai in weiter Ferne liegen. Dass es sich tatsächlich um Chiang Rai handelt, ist allerdings eindeutig. Auch, wenn es sehr weit weg ist, ist der weiße „Big Buddha“ deutlich zu erkennen. Erst jetzt wird uns wirklich bewusst, wie riesig dieser Tempel ist, den wir zwei Tage zuvor selbst besucht hatten.

Mit unserem „großen“ Kameraobjektiv* bekommen wir den Tempel (bei maximalem optischem Zoom) noch recht gut eingefangen.

Trekking Chiang Rai
Weit entfernt, aber Dank des Zooms gut erkennbar: Chiang Rai und der Big Buddha

Ankunft im Bergdorf: Mein erster echter Kulturschock

Auch das Dorf können wir schon aus der Ferne sehen. Kleine Häuschen liegen gemütlich eingebettet in der bewaldeten hügeligen Landschaft. Der obere Teil des Dorfes, den wir zuerst durchqueren, besteht aus einem Gemisch aus traditionellen Holzhäusern und etwas „moderneren“, verputzten Häusern. Ein kleines Haus trägt sogar die Aufschrift „Hotel“, auch wenn ich weit und breit keine Touristen sehe.

Dann geht es weiter bergab, in den unteren Teil des Dorfes. Dieser besteht nur noch aus den einstöckigen, auf Stelzen stehenden Bambushäusern. Die einzige Straße, die durch das Dorf führt, besteht aus Lehm, unter dem sich vielleicht irgendwann einmal Beton befand.

Trekking Chiang Rai: Yafu-Hilltribe-Village
Yafu-Hilltribe-Village

Es sind nicht viele Menschen zu sehen, aber diejenigen, die dort sind, beäugen uns misstrauisch. Wir schauen uns neugierig um und lassen erstmal alles auf uns wirken. Vor einem der Häuser bleiben wir stehen. „Hier ist es“, sagt unser Guide. „Legt eure Sachen ab und geht erstmal duschen. Dann gibt es essen.“

Wir steigen die schmale Holztreppe hinauf und betreten über einen Außenbereich den einzigen Raum des Hauses. Es ist verraucht und dunkel. Im vorderen Bereich sitzt eine grimmig dreinschauende Frau an einem offenen Feuer und kocht. Im hinteren Bereich sind mit Mosquito-Netzen zwei Schlafbereiche abgetrennt. Mehr gibt es nicht.

HIER SOLL ICH SCHLAFEN? Mein Gesicht in diesem Moment muss mehr als tausend Worte sagen. Dabei war das doch genau das, was ich wollte. Ein wirklich authentisches, untouristisches Erlebnis. Aber muss es denn so verraucht sein? Ist das denn nicht ungesund? Und was, wenn die Mosquito-Netze Löcher haben? Was, wenn es hier irgendwelche gefährlichen Insekten gibt?

Alles ist so fremd, außer mit dem Guide und den wenigen Mitreisenden, die sich ja auch nicht auskennen, kann ich mit niemandem reden. Ich weiß nicht, was passieren wird, wie die Nacht wird, wie ich mich hier zurechtfinden soll. Gab es hier nicht irgendwo ein Hotel? Aber es sah nicht sehr geöffnet aus. Was sollen wir machen???

So fühlt sich also ein Kulturschock an. Völlige Überforderung und tausend Gedanken auf einmal. Ich atme tief durch und ringe mir ein Lächeln ab (wahrscheinlich viel zu spät, um noch irgendjemanden zu täuschen). „Sieht doch gemütlich aus. Danke.“, sage ich zu unserem Guide. Dann lässt er uns Zeit, uns erstmal einzurichten.

Trekking Chiang Rai: Yafu-Village
Kochecke in unserer Unterkunft im Yafu-Village
Trekking Chiang Rai: Yafu-Village
Schlafplätze in unserer Unterkunft im Yafu-Village

Ich verstehe selbst nicht, warum ich mich so unwohl fühle, denn eigentlich habe ich schon viele außergewöhnliche Situationen auf Reisen gemeistert. Tatsächlich gehen wir so ziemlich auf jeder Reise mal irgendwo „verloren„. Und kleinere Kulturschocks hatte ich sicherlich schon, aber anders als jetzt. In Sumatra z.B. war vieles ganz anders, als wir es kannten. Aber damit hab ich anscheinend mehr gerechnet und mich besser darauf eingestellt.

Vielleicht ist es diesmal anders, weil wir den anderen Menschen nicht wirklich vorgestellt wurden und ich mich daher fremd und nicht wirklich willkommen fühle. Und weil ich den Rauch nicht mag.

Ich rufe mir ins Gedächtnis, dass dies eines dieser Abenteuer ist, die ich eigentlich so mag. Das echte Leben anderer Menschen, kein Kultur-Disney-Land. So leben die Menschen hier. Wir dürfen in ihrem Haus schlafen, ihr Essen essen, sie lassen uns einen Tag teilhaben an ihrem Alltag. Im Nachhinein bin ich dafür sehr dankbar.

Jetzt wird aber erstmal geduscht. Die Dusche befindet sich in einem separaten Häuschen. Da das Dorf kein fließendes Wasser hat, wird für die gemeinsam genutzte Dusche Wasser aus dem nahegelegenen Fluss abgeleitet. Dementsprechend „erfrischend“ ist es auch. Aber da es draußen sehr warm ist, macht das nichts.

Yafu-Village: Dusche von außen
Diese Dusche teilen sich mehrere Bewohner des Yafu-Village
Yafu-Village: Dusche von innen
Das Wasser hier ist ganz schön frisch

Nach dem Duschen fühle ich mich wesentlich besser und langsam auch ziemlich hungrig. Auf der Plattform vor dem Haus sitzen schon unser Mitreisender Thay und ein französisches Paar mit einem sehr fröhlichen und aufgeschlossen kleinen Jungen. Das sind also die drei, die uns als weitere Teil unserer Gruppe angekündigt wurden.

Wir unterhalten uns, trinken Getränke aus einer Kühlbox und machen es uns schließlich auf dem Boden rund um zwei niedrige Tische bequem. Dann kommt das Essen, frisch zubereitet von der Hausherrin. Außer Reis und vielleicht noch Gemüsesuppe kommt mir nichts bekannt vor.

Abendessen im Yafu-Hilltribe-Village

„Was ist das?“ frage ich und deute auf etwas fleischfarbenes und röhrenförmiges. „Schweinedarm, ist lecker, probier mal!“ sagt Thay und schon liegt ein Löffelchen der etwas befremdlich anmutenden Masse auf meinem Teller. Aber na gut, warum nicht.

Beherzt stecke ich also ein Stückchen in den Mund und kaue. „Ist doch nicht lecker, spucks wieder aus.“ ruft Thay plötzlich empört. Er hat auch ein Stück probiert und festgestellt, dass es offenbar ganz anders schmeckt als in Singapur. Da mich der Geschmack, vorsichtig gesagt, auch nicht gerade überzeugt, folge ich seinem Rat, was zu großem Gelächter führt.

Anschließend probieren wir uns durch die anderen Speisen. Sie alle schmecken sehr fremdartig. Teilweise mag ich sie, teilweise eher nicht, aber wir werden alle satt. Und spätestens bei der großen Schüssel Popcorn, die es zum Nachtisch gibt, sind alle wieder dabei.

Trekking Chiang Rai: Yafu-Village
Hier verbringen wir den Abend, bis das Licht langsam schwindet

Trekking Chiang Rai: Eine Nacht im 1 Mio.-Sterne-Hotel

Wir sitzen noch etwas zusammen und unterhalten uns. Einer der Franzosen gibt zur allgemeinen Belustigung seine Deutschkenntnisse in Form von Rammstein-Songs zum Besten und der kleine Junge spielt fröhlich mit unseren Gastgebern. Sprachbarrieren gibt es für Kinder einfach nicht. Sie kommunizieren auf eine ganz eigene Art, ohne Worte, nur mit Händen und Füßen und ihrer fröhlichen Art. Davon können wir noch was lernen.

Schon gegen 21h heißt es Schlafenszeit. Das einzige elektrische Licht wird über ein Solarpanel auf dem Dach unserer Unterkunft versorgt und die Energie ist bald aufgebraucht. Alle umliegenden Häuser sind dunkel.

Bevor wir schlafen gehen winkt unser Guide uns noch einmal zu sich. Es ist jetzt fast ganz dunkel. Er deutet in den Himmel und der Anblick ist atemberaubend. Millionen von Sternen leuchten über uns. Je länger wir schauen, desto mehr entdecken wir. Einfach wunderschön.

„Ein 1-Millionen-Sterne-Hotel“ lacht unser Guide. Und wer braucht schon 5 Sterne, wenn er diesen Anblick haben kann. Wir können uns kaum stattsehen und stehen noch eine ganze Weile staunend dort, bevor wir uns auf den Weg ins Bett machen.

Trekking Chiang Rai: Yafu-Village Sterne
Unglaublicher Sternenhimmel

Die Nacht wird unruhig und kalt. Ich bereue es, mein Schlafsack-Inlay* nicht mitgenommen zu haben. Auf dem Boden liegt nur eine sehr dünne Matte, darauf eine Wolldecke, die aber nicht genug wärmt. Immerhin hat der Rauch sich aber vollständig verzogen, nachdem das Abendessen gekocht war und durch die Wände zieht frische Luft herein.

Am nächsten Morgen gehe ich nochmal duschen und bin dann richtig wach. Zum Frühstück gibt es Rührei mit Reis und Ananas, sehr lecker! Dann packen wir unsere Sachen zusammen, verabschieden uns und machen uns bereit für den zweiten Tag unserer Tour. Ein letzter Blick zurück und es geht los.

Trekking Chiang Rai: Unterkunft
Unsere Unterkunft im Yafu Hilltribe Village

Es geht noch weiter bergauf…

Nachdem wir gestern mindestens fünf Hügel hinauf und wieder hinabgestiegen sind, hatte ich heute auf etwas  Erholung gehofft. Aber nein, es geht hinauf auf den mit etwa 1000m höchsten Hügel dieser Gegend. Natürlich ist die Luft wieder feucht und heiß. Wäre ja sonst auch langweilig…

Oben angekommen muss ich aber zugeben, dass sich die Strapazen gelohnt haben. Auch wenn es etwas diesig ist, ist der Ausblick wunderschön. Außerdem ist es hier oben unglaublich ruhig und friedlich.

Gipfel von Yafu
Die im Nebel liegenden Berge sind auf Fotos schwer zu erkennen
Mit dem richtigen Filter werden sie aber erkennbar

Von nun an geht es endlich wieder bergab, was sich aber als nicht zwangsläufig leichter herausstellt. Wir laufen durch meterhohes Gras und über teilweise sehr rutschige Erde, kommen aber alle heil an unserem nächsten Rastplatz an. An einem kleinen Unterstand aus Bambus mit Ausblick über die Felder warten bereits die Franzosen, die sich den Aufstieg heute morgen gespart haben, auf uns.

Die beiden Guides haben Bambus gesammelt und mit dessen Hilfe Reis, Gemüse und Schweinefleisch über dem Feuer zubereitet. Alles schmeckt sehr lecker und ich bin erstaunt, wie gut Essen nur mit Hilfsmitteln aus der Natur zubereitet werden kann.

Trekking Chiang Rai: Mittagessen
Leckeres, in Bambusrohren gegartes Essen, das wir ganz stilecht mit den Händen essen

Entspannung in den Hot Springs

Anschließend gelangen wir nach kurzer Zeit auf eine Straße, der wir für eine Weile folgen. Hier haben wir die Chance, noch einmal die Aussicht über die tolle Landschaft zu genießen, bevor es mit großen Schritten in Richtung „Zivilisation“ geht.

Trekking Chiang Rai: Landschaft
Ein letzter Ausblick über die Landschaft

Aber zuerst steht noch ein letzter Zwischenstopp an: Die heißen Quellen. Hier wird geothermal erwärmtes Wasser in große Becken geleitet, in denen wir baden und uns entspannen können. An den Schwefelgeruch gewöhnen wir uns und die Wärme tut nach dem Trekking wirklich gut.

Danach heißt es Abschied nehmen von unserer kleinen Gruppe. Mit dem Auto geht es nun zurück nach Chiang Rai.

Zurück in Chiang Rai

Die Zivilisation hat uns wieder. Zumindest ist es gefühlt so, als wir unsere Unterkunft erreichen und uns erstmal unter die heiße Dusche stellen. Fließendes warmes Wasser und ein eigenes Zimmer, ein tolles Gefühl. Wir denken viel zu selten darüber nach, wie gut wir es haben und dass vieles eigentlich gar nicht selbstverständlich (und auch nicht zwingend notwendig) ist.

Zum Abendessen gönnen wir uns heute mal Burger und zum Nachtisch ein frisch gerolltes Eis, das wir auf dem Nachtmarkt entdeckt haben. Die Eismasse wird auf einer kalten Platte gefroren und dann als Röllchen mit weiteren Toppings serviert. Super lecker!

Danach geht es „nach Hause“. Wir sind müde und freuen uns auf unser richtiges weiches Bett.

Trekking Chiang Rai: Abendessen
Heute gibt es mal ein richtig "westliches" Abendessen
Trekking Chiang Rai: Abendessen
Und frisch gerolltes Eis
Mit viel Sahne und Streuseln. Sehr lecker!

Fazit

Trotz des kleinen Kulturschocks, mit dem ich so nicht gerechnet hatte, war es eine tolle Tour. Wenn du mal in Chiang Rai bist und ein wirklich authentisches Erlebnis suchst, kann ich dir das Trekking wärmstens empfehlen.

Ich hätte mir aber gewünscht, dass unser Guide etwas mehr erklärt und uns mehr einbezieht, gerade in der Zeit im Yafu-Hilltribe-Village. In der Tourbeschreibung stand z.B., wir würden zusammen kochen, was so leider nicht war. Bestimmt war es lieb gemeint, aber ich hätte gerne mitgekocht und die Menschen besser kennen gelernt. (Ich muss aber auch zugeben, dass ich selbst nicht danach gefragt habe. War ja etwas überfordert.)

Ansonsten war es sehr schön und abenteuerlich. Wir haben wunderschöne Landschaften und tatsächlich keine anderen Touristen gesehen. Und wir durften Einblicke in das noch recht ursprüngliche Leben der Bergvölker gewinnen, wofür ich sehr dankbar bin.

Hast du schon mal etwas ähnliches erlebt? Hattest du vielleicht auch schon mal einen Kulturschock? Ich bin gespannt auf deinen Bericht.

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Der Beitrag sollte mindestens 300 Worte lang sein und (mindestens) zwei Bilder enthalten. Bitte orientiere dich an den Fragen:

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  • Wie denkst du im Nachhinein darüber? Was hast du vielleicht sogar gelernt?

Ich freue mich auf deine Geschichte. (Andere Kommentare sind natürlich auch willkommen!)

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

  1. Trekking im Norden Thailands steht auch noch auf unserer Bucketlist. Danke also für die ausführliche Beschreibung deines Treks. Schön, dass du so ein authentisches Erlebnis hattest! Obwohl es schade ist, dass du so wenig einbezogen worden bist…

    1. Ann-Cathrin

      Kann ich auf jeden Fall auch sehr empfehlen! Ich habe von anderen auch gehört, dass sie mehr einbezogen wurden, vielleicht haben wir einfach einen nicht so guten Tag erwischt bzw. einen Guide, bei dem wir selbst mehr die Initiative hätten ergreifen müssen. Alles in allem hat es sich aber trotzdem sehr gelohnt 🙂

  2. Hallo Ann-Cathrin,

    ich denke, so ein Gefühl des Fremd seins überkommt einen ganz plötzlich, ohne dass man es will oder vorbereitet darauf ist. Ich weiß nicht, ob du da hättest etwas anders machen können. Ich denke nicht. Dafür hättest du es kommen sehen müssen, und das ist einfach nicht möglich. Einen Kulturschock sieht man nicht kommen.
    Es ist eine Situation, in der man sich unwohl fühlt und da kann man sich schlecht selbst den Befehl geben, nun bitte die Situation zu genießen, weil man das ja so wollte. Nimm es an. Du hast eine Erfahrung gemacht. Nicht alle Erfahrungen müssen in dem Moment schön sein, aber sie sind wichtig, gerade an den weniger schönen wachsen wir 😉

    Liebe Grüße
    Kasia

    1. Ann-Cathrin

      Hallo Kasia,
      sehr schön geschrieben, da kann ich dir nur zustimmen. In dem Moment lernt man sich selbst ein Stückchen besser kennen und bekommt die Chance (auch wenn einem das nicht immer gefällt), einen Teil seines Selbstbildes zu überdenken und zu wachsen. Ich habe gemerkt, wo meine Grenzen lagen. In dem Moment gefiel mir das gar nicht, entsprach es doch gar nicht der Abenteurerin in mir. Im Nachhinein finde ich das hingegen sehr positiv, weil ich meinen Horizont erweitern und eine andere Lebenswelt kennenlernen konnte.
      Liebe Grüße,
      Ann-Cathrin

    1. Ann-Cathrin

      Hallo Miriam,
      ich habe deinen Artikel gerade gelesen, super abwechslungsreich und spannend. Freue mich sehr, dass du teilgenommen und dein Erfahrungen geteilt hast 🙂
      Liebe Grüße,
      Ann-Cathrin

    1. Ann-Cathrin

      Hi Kasia,
      ein toller Beitrag :). Und nein, du hast nicht geschummelt :D. Solche Erfahrungen sind genau das, was ich gesucht habe. Erlebnisse, in denen man tiefere Einblicke in andere Kulturen gewinnt. Die in diesem Fall zwar nicht schön sind, in denen man sich selbst aber besser kennenlernt und ein Stückchen wächst. Das muss nicht ein einziger Moment sein, sondern kann natürlich auch wie bei dir aufgrund der längeren Aufenthaltsdauer in einem fremden Land passieren.
      Freue mich sehr, dass du mitgemacht und deine Erfahrungen geteilt hast!
      Liebe Grüße,
      Ann-Cathrin

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